Susanne Fink und Hagen Reisbach blicken in Achern auf 42 erlebnisreiche und spannende Berufsjahre zurück


Sorge um die Zukunft des Unterrichtens steht für Susanne Fink und Hagen Reisbach am Ende ihrer Berufslaufbahn. Nach 42 Jahren verabschiedet sich das Ehepaar als Klavierlehrer der Musik- und Kunstschule Achern-Oberkirch „in die Rente.“

Das Diplom der Musikhochschule Freiburg frisch in der Tasche, startete Susanne Fink 1984 als Musikschullehrerin in ihrer Heimatgemeinde Zell am Harmersbach. Auch Hagen Reisbach begann in Zell, das war 1986. Im Jahr darauf wechselte er an die Musikschule Achern.

Susanne Fink findet in Achern den gesuchten Klarinettisten

1991 schlug auch Fink den Weg nach Achern ein. „Fürs Abschlusskonzert meines Aufbaustudiums in Zürich hatte ich einen guten Klarinettisten gebraucht.“ Den fand die Konzertpianistin in Rudolf Heidler, seinerzeit Leiter der Musikschule Achern.

Heidler wollte Susanne Fink auf alle Fälle in Achern haben. Zusammen mit Oberkirch hatte sich die Stadt Achern auf den Weg gemacht, nach Lahr und Offenburg die dritte selbstständige Musikschule des Ortenaukreises zu werden.

Hagen Reisbachs Ausbildungszeit führt zurück nach Mainz ins Peter-Cornelius-Konservatorium. Mit zehn war er dort als Schüler gestartet. „Mein Vater war Geiger am Staatstheater. Da gab es immer Aufgaben, Künstler zu begleiten.“ Dem Schwerpunkt Klavier/Kammermusik folgte Reisbach auch im Studium an den Musikhochschulen in Freiburg und Karlsruhe.

Kennengelernt hatte sich das Paar Fink/Reisbach in Freiburg an der Musikhochschule, erstmals durch einen gemeinsam belegten Meisterkurs bei Vitaly Margulis.

Das Paar heiratet 1992 in Zell bei Finks Vater

Als 1991 der Umzug in die Dekan-Huck-Straße nach Achern folgte, war Wilfried Rosenfelder (CDU) noch Oberbürgermeister. Reinhart Köstlin (SPD) wurde im selben Jahr als Nachfolger gewählt. 1992 heiratete das Paar bei Susannes Vater, Pfarrer Eberhard Fink, in Zell.

Im Zusammenspiel waren beide Pianisten in knapp 40 Jahren mehrfach zu erleben, gleichwohl richteten sie sich unterschiedlich aus. Hatte Susanne Fink ihr besonderes Interesse neben dem Einzelunterricht in der Zusammenarbeit mit Chören und Orchestern, so widmete sich Hagen Reisbach besonders gerne der Korrepetition.

Der Klavierlehrer ist von Roxane Lung bis heute begeistert

Auch an Schülern lässt sich besondere Leidenschaft der Unterrichtenden erkennen. Roxane Lung, die Hagen Reisbach am Klavier unterrichtete, war dreimal beim Bundeswettbewerb. Ihre außergewöhnliche Entwicklung begeistert den Klavierlehrer Reisbach bis heute.

Jan Niklas Doll (Fagott) und Simon Doll (Oboe) waren in ihren Instrumenten ebenso herausragend. Hier waren Reisbach und Fink als Klavierbegleitung gefragt. „Auf diesem Niveau muss man auch als Klavierbegleiter alles zeigen“, denkt Reisbach mit Freude zurück.

Erinnerungen an Konzerte in der Liebfrauenkirche bleiben

Susanne Fink nennt George Gershwins „Rhapsody In Blue“, 1991 zusammen mit der Stadtkapelle beim Benefizkonzert für die Winterhalter-Orgel der Liebfrauenkirche gespielt, ebenso als starke Erinnerungen, wie Hagen Reisbach herausragende Konzerte mit Norbert Jeanjour und dem Motettenchor anführt. „Die Liebesliederwalzer (Johannes Brahms) waren großartig.“

Einen gemeinsamen Höhepunkt brachten Giacomo Rossinis „Petite Messe Solenne“ (2009) ebenso wie die ursprünglich für zwei Klaviere geschriebene „Carmina Burana“. Die waren in den 1990er Jahren ein „echtes Pfund“ der regionalen Musikkultur.

Jahreswochenstunden bleiben für Reisbach ein Reizwort

Die Herausforderungen der Verwaltung und nie konfliktfreie Entwicklung einer Musikschule lernte Hagen Reisbach über gut 25 Jahre sowohl als Vorsitzender des Personalrats als auch als Leiter der Fachschaft Klavier kennen. Das Thema „Jahreswochenstunden“ ist ihm nach wie vor Reizwort, ebenso der zeitweilig verpflichtende Gruppenunterricht für Musikschüler. Beide hält er für Sparprojekte, die der Schule und ihren Anmeldungen keinesfalls gutgetan hätten.

Obwohl beide Pianisten die gewaltigen Herausforderungen in Zeiten knapper Kassen, umfangreicher Betreuungszeiten der Kids und ebenso geänderter Voraussetzungen, die der Unterricht mitgebracht habe, ist die Liebe zum Beruf, zum Instrument, zu den Schülerinnen und Schülern und fürs Musizieren geblieben.

Schüler entdecken Freude an Musikwettbewerben

Susanne Fink freut sich über Ihre Erfahrungen mit den Musikwettbewerben und dem sich entwickelnden Spaß. Hagen Reisbach findet zumindest einen „coolen Typen“, der die Möglichkeiten der Schule entdeckt hat und begeistert weitergibt.

Und beide loben auch die Möglichkeiten, die in der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Illenau genutzt werden können. „Ein Ort großer Vergangenheit, der sehr gute Möglichkeiten gibt.“

Quelle: https://bnn.de/mittelbaden/ortenau/achern/klavierlehrer-paar-sagt-der-musikschule-achern-adieu