Musik stärkt die mentale Gesundheit von Kindern
„piccolino“, das ist das neue Projekt der Stiftung Schloss Kapfenburg in Lauchheim, bei dem sich alles um Prävention und seelische Gesundheitsförderung an der Grundschule dreht. Mitte März haben die bundesweit ersten sieben piccolino-Lehrkräfte erfolgreich ihre Weiterbildung abgeschlossen.
Die musikpädagogischen Inhalte von „piccolino“ sind für die 1. und 2. Grundschulklasse konzipiert, also Kinder im Alter von etwa sechs bis acht Jahren. Eine Zeit, in der viele neue Eindrücke auf sie einprasseln: Schuleintritt, neue soziale Strukturen, erste Leistungserfahrungen. Das kann ganz schön herausfordernd sein. „piccolino“ fängt die Kinder hier auf. Und was noch viel wichtiger ist – es bereitet sie auf das weitere Leben vor.
Fröhlich, bunt und bewegt: der „piccolino“-Unterricht
Das Projekt basiert auf Methoden der Elementaren Musikpädagogik, das heißt der wichtigste Baustein ist die Musik. Jede Stunde beginnt mit einem Begrüßungslied, dem „piccolino“-Song. Es folgen rhythmische Spiele und kleine Bewegungseinheiten. Die Kinder experimentieren mit Orff-Instrumenten wie Rasseln, Trommeln oder Boomwhackers und sammeln so wertvolle musikalische Erfahrungen. Und dann wird da noch ganz viel getanzt, gemalt und gemeinsam musikalisch gestaltet. Die Themen variieren von Stunde zu Stunde. Mal geht es um Freundschaft und Schule, mal um Gespenster, Tiere, die Natur oder ferne Länder. Vor jedem Pausengong wird nochmal gemeinsam gesungen: „Wir sind die piccolino-Bande und, das sag ich nur am Rande, wir sind supercool.“
Durch die Verbindung all dieser Elemente leistet „piccolino“ einen wichtigen Beitrag zur ganzheitlichen Entwicklung von Grundschulkindern. Spielerisch werden wichtige Schutzfaktoren für die seelische Gesundheit, wie beispielsweise Selbstbewusstsein und emotionale Ausdruckskraft, gestärkt. Aber auch Faktoren wie Empathie, Stressbewältigung, lösungsorientiertes Handeln und soziale Kompetenzen werden gefestigt. Das Projekt stärkt die Kinder, setzt kreative musikalische Impulse und gibt ihnen Werkzeuge an die Hand, um achtsam mit sich selbst und anderen umzugehen.
Wertvoller Beitrag zur Schulentwicklung
Das Besondere an „piccolino“ ist die Verbindung von Musik und Prävention. Zwei Bereiche, die oftmals getrennt betrachtet werden, in der Praxis jedoch ganz hervorragend zusammenpassen. So zeigen Studien, dass musikalische Aktivitäten Stress reduzieren, die Konzentrationsfähigkeit steigern und das soziale Miteinander verbessern können.
Das Projekt eignet sich hervorragend für den kommenden Ganztagesunterricht an Grundschulen. Außerdem zeigen die in „piccolino“ erarbeiteten Inhalte musikalische Impulse für die im baden-württembergischen Bildungsplan formulierten Handlungsfelder der Leitperspektive „Prävention und Gesundheitsförderung“ auf. Entwickelt wurden die Inhalte von musikpädagogischen Fachkräften. Die vor Projektstart durchgeführten Modellphasen wurden von der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd wissenschaftlich auf ihre Wirksamkeit evaluiert.
Musik- und Grundschule Hand in Hand
Für die Umsetzung von „piccolino“ ist eine Kooperation zwischen einer Musikschule und Grundschule erforderlich. Nach abgeschlossener Fortbildung wird im Februar 2027 mit der praktischen Umsetzung von „piccolino“ gestartet. „piccolino“ wird im Tandem aus „piccolino“-Lehrkraft und Grundschullehrkraft wöchentlich für eine Schulstunde durchgeführt. Die kontinuierliche Umsetzung im Schulalltag unterstützt die nachhaltige Stärkung der Ressourcen und Stressbewältigungskompetenzen von Kindern an teilnehmenden Schulen.
Die ersten piccolino-Lehrkräfte bundesweit
Sieben Musikfachkräfte aus Baden-Württemberg und Bayern haben sich seit 2025 in vier Fortbildungsmodulen auf Schloss Kapfenburg weiterbilden lassen. Einige der Lehrkräfte sind bereits im Bereich der EMP (Elementare Musikpädagogik) tätig, andere haben bis jetzt Erfahrungen in instrumentalen Kleingruppen gesammelt.
Fortbildungsinhalte & Dozierende
Die Fortbildungsmodule sind ihren Schwerpunkten nach benannt und legen ihren Fokus auf die Themen: Grundlagen der Elementaren Musikpädagogik, Präventive Wirkungsweisen der Elementaren Musikpädagogik auf die seelische Gesundheit, Pädagogische Grundlagen im Umgang mit Gruppen und erweiterte Musikpraxis. Die Inhalte wurden von einem Team aus Fachkräften vermittelt. Darunter waren unter anderem Prof. Andrea Friedhofen (Professorin für Elementare Musikpädagogik am LMC Augsburg) und Prof. Dr. Carl-Walter Kohlmann (Professor für Pädagogische Psychologie und Gesundheitspsychologie an der PH Schwäbisch Gmünd).
Innerhalb der Fortbildung werden die Inhalte von „piccolino“ ausgiebig praktisch erprobt und unter den Aspekten der Pädagogik und der Prävention und seelischen Gesundheitsförderung betrachtet.
Die nächste Weiterbildung zur „piccolino“-Lehrkraft startet im September 2026. Die Lehrkräfte erhalten ausgearbeitete Stundenverlaufspläne und zugehöriges Unterrichtsmaterial. Ausgebildete „piccolino“-Lehrkräfte können an mehreren Grundschulen tätig sein, wenn jeweils eine Kooperation zwischen Musikschule und Grundschule besteht.
Die Techniker Krankenkasse kann nach Antragstellung die Umsetzung von „piccolino“ an Grundschulen nach §20 SGB V für die ersten beiden Durchführungsjahre fördern.
Mehr Infos auf www.piccolino-grundschule.de. Es finden regelmäßig digitale Infoveranstaltungen statt, die Termine gibt’s auf www.schloss-kapfenburg.de/di.
„piccolino“-Lehrkräfte
Iris Lemonidis – Musikschule Badische Bergstraße Weinheim
Gilah Buchner – Musikwerkstatt Unisono
Kathrin Hauser – Musik- und Kunstschule Achern-Oberkirch
Sandra Zaiser – Musikschule Lauffen am Neckar
Andreas Dangel – Musikschule Meckenbeuren
Gerrit Stenzel – Musikschule Radolfzell
Melanie Paaß – Münsingen
Bild: Die ersten „piccolino“-Lehrkräfte bundesweit haben am 14. März erfolgreich ihre zertifizierte Weiterbildung abgeschlossen.
Erste Reihe: Iris Lemonidis, Kathrin Hauser, Andreas Dangel [v. l. n. r.]
Zweite Reihe: Alicia Rupprecht (Projektmanagement Schloss Kapfenburg), Prof. Andrea Friedhofen (Dozentin), Gilah Buchner, Melanie Paaß, Sandra Zaiser, Moritz von Woellwarth (Akademiedirektor Schloss Kapfenburg) [v. l. n. r.]
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